Die Entwicklungsphasen der Welpen
Die ersten beiden Lebenswochen nennt man die vegetative Phase. Die Augen und Ohren sind noch verschlossen und auch der Geruchssinn ist noch nicht sehr stark ausgebildet. Instinktiv robbt der Welpe auf dem Bauch zu seiner Mutter um die “Milchbar” zu suchen. Der Welpe kann Nahrung aufnehmen, trinken und schlafen. Da Welpen Körperkontakt zur Mutter und den Geschwistern suchen, heißt es für uns, Körperkontakt aufnehmen und sich betasten lassen.
In der dritten Woche, der sogenannten Übergangsphase, entwickelt sich der Welpe rasant. Die Augen und Ohren öffnen sich, der Geruchsinn entwickelt sich zunehmend und auch die ersten Eckzähne stoßen durch. Die Welpen gewöhnen sich dadurch nach und nach an alle typischen Geräusche im Haushalt, die für sie wie selbstverständlich da sind. Da die menschliche Nähe von Anfang an vorhanden ist, sind wir völlig normal für die Kleinen und gehören einfach zum Rudel.
Am wichtigsten ist die Prägephase; sie geht ungefähr von der 4. bis zur 8 Woche. Fehlen dem Welpen in dieser Zeit soziale Kontakte und Umwelterfahrungen, ist er später kaum dazu fähig, normale soziale Beziehungen und Sicherheit zu entwickeln. Verstreicht also dieser sensible Zeitraum ungenutzt, treten später schwere Verhaltensstörungen auf. Daher ist es enorm wichtig, einen Welpen nur bei einem einfühlsamen Züchter zu kaufen, der sich sehr viel um die Welpen kümmert und Ihnen eine abwechslungsreiche Umgebung bietet mit vielen verschiedenen Menschen, Tieren, Spielzeug etc. Schauen sie sich viele Zuchtstätten an und erkundigen Sie sich, was mit den Welpen gemacht wird und wo sie sich aufhalten. Der Züchter formt Ihren zukünftigen Hund!
Ich möchte hier ein bisschen näher darauf eingehen, was unsere Kleinen bei uns kennen lernen.
Von Anfang an nehmen sie die alltäglichen Geräusche einer Familie auf. Sei es nun das Telefon, Kinderlachen oder auch Geschrei :-), eine Rassel, Klingel, Staubsauger, eben alles was in einem Haushalt so passiert. Bürsten, ins Maul schauen und überall abgetastet zu werden lernen sie spielerisch kennen. Da zu unserem Rudel auch eine Border Collie Hündin und eine Mischlingshündin gehören, sind die Kleinen nicht nur auf die Farbe Weiß fixiert.
Täglich erweitern wir den Wirkungskreis der Welpen und bauen kleine “Abenteuerspielplätze” auf. Da darf das obligatorische Bällebad und der Welpentunnel nicht fehlen. Die Welpen lieben es aber auch auf alten Paletten zu turnen, kleine Wippen und Laufstege auszutesten, in Spänen zu wühlen, durch Flatterbänder und über Planen zu laufen. Bei warmem Wetter wird auch schon ordentlich geplanscht oder mit einem Wasserstrahl gespielt. Alltägliche Sachen wie z.B. ein Regenschirm, ein großer Karton, Luftballons oder ein Kuscheltier das sich bewegt und Geräusche macht, erwecken die Neugier der Welpen.
Zur Zeit sind wir dabei einen ca. 300 qm großen Teil des Stallgebäudes zu einem festen Hundespielplatz umzubauen, so dass wir auch bei schlechtem Wetter den Welpen immer etwas Neues zum Erkunden bieten können.
Die Welpen leben mit unseren Katzen zusammen. Da beide Katzen Hunde lieben, kann ich gewährleisten, dass die Welpen durchweg positive Erfahrungen mit ihnen sammeln. Auch unsere Pferde und das kleine Shetlandpony können neugierig vom Garten aus beäugt werden. Unser Garten ist ca. 8000 qm groß und geht um das Haus herum. An einer Seite grenzt er an eine Landstraße, so dass Autos, Trecker, LKWs, Fahrräder etc. ganz normal für unsere Kleinen sind. Die Welpen lernen viele verschiedene Menschen kennen. Da sind zum einen unsere kleinen Kinder und meine Oma, die bei uns in der Familie lebt. Ich finde es sehr wichtig, dass die Welpen auch ältere Menschen kennen lernen, da sie ja mitunter anders riechen und auch mal geduckt oder steif laufen, was auf Hunde bedrohlich wirken kann. Weiter binden wir unsere Postboten, einen Rollstuhlfahrer und größere Kinder aus der Nachbarschaft sowie die Welpenkäufer / Interessenten in die Prägung mit ein.
Ab der 6. Lebenswoche unternehmen wir kleine Ausflüge mit den Welpen. Zum einen lernen sie so regelmäßig in entspannter Atmosphäre das autofahren und sie gewöhnen sich an Halsband und Leine. Wir gehen unter anderem zu einem benachbarten Modellflugzeugplatz, gucken uns Kühe an, beschnuppern den Wald und eine Vielseitigkeitsstecke mit Wasserloch und Baumstämmen.
Ab der 8. bis zur 16. Woche befinden sich die Welpen in der Sozialisierungsphase. Im Alter von ca. 8 Wochen verkraften sie die Trennung von Mutter und Geschwistern recht gut und können sich nun in Ihren neuen Familien einleben. Nachdem ich als Züchterin das bestmögliche getan habe, um den Welpen auf sein Leben vorzubereiten, sind nun die Hundebesitzer an der Reihe. Ich empfehle den Käufern unserer Welpen den Besuch einer guten Welpenspielstunde und Hundeschule. Da die Welpen in dieser Phase sehr schnell lernen, können Sie ohne dieses Training, auch unbewusst, leider auch ungewolltes Verhalten festigen. Weiter sollten die Besitzer nun Ihre Hunde individuell auf das vorbereiten, was sie in ihrem Leben erwartet. Sei es das Bus oder Bahn fahren, der Stadtbummel, der Besuch auf dem Flohmarkt, eine Schifffahrt ...
Zur Sozialisierung werde ich aber noch einige Gedanken, Erfahrungen und Empfehlungen in einem extra Artikel schreiben, sonst sprenge ich hier den Rahmen.
Wie sie sehen gehört die Prägung zu meinen Lieblingsthemen und ist mir enorm wichtig. Ich hoffe, sie haben jetzt eine kleine Vorstellung wie wir unsere Welpen auf ihr Leben vorbereiten. Wenn Sie möchten, kommen Sie uns besuchen und sehen sie selbst, wie wir unsere Welpen prägen. Natürlich sind Gäste auch willkommen wenn wir keine Welpen haben.
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